Rotarian Medical Center Srebrenica
Der Bezirk Srebrenica liegt im Osten der heutigen Teilrepublik Srpska; Sitz der Bezirksverwaltung ist die
Stadt Srebrenica. Einst eine
blühende Region, sind heute, 13 Jahre nach dem Ende des Bosnienkrieges, die
Kriegsfolgen noch immer nicht überwunden.
Die politische Entwicklung
Srebrenica war im Bosnienkrieg 1992-1995 von Beginn an heiß
umkämpft. Nach Übergriffen auf die Zivilbevölkerung wurde 1993 eine
UN-Schutzzone eingerichtet, die aber im Sommer 1995 von den Serben eingenommen
wurde. In der Folge kam es zur Massenflucht und zu Massakern an der muslimischen
Bevölkerung.
Im Dayton-Abkommen, das den Bosnien-Krieg beendet hat,
anerkannten Serbien und Kroatien die Souveränität von Bosnien und Herzegowina.
Bosnien-Herzegowina blieb als einheitlicher Staat mit zwei Teilrepubliken
erhalten: der Förderation Bosnien und Herzegowina und der Republika Srpska.
Damit ist Bosnien-Herzegowina heute ein „getrennter, aber nicht geteilter Staat“
– eine überaus komplizierte und labile Konstruktion mit negativen Auswirkungen
für die Bevölkerung. Zugleich garantierte das Dayton-Abkommen allen Flüchtlingen
ein Heimkehrrecht. Srebrenica ist heute eine bosniakische Enklave in der
Republika Srpska.
Die derzeitige medizinische Situation
Während der Kriegswirren ist das Bezirkskrankenhaus in
Srebrenica schwer in Mitleidenschaft gezogen worden und war deshalb für Jahre
geschlossen. Heute gibt es in der Stadt Srebrenica wieder eine medizinische
Station; sie ist aber in einem Ausweichquartier untergebracht, das nur
notdürftig hergerichtet ist und dem noch immer eine entsprechende medizinische
Ausstattung fehlt. Dies hat massive negative Konsequenzen für die medizinische
Versorgung dieser Region. Selbst für größere medizinische Routineeingriffe
müssen die Einwohner in das 100 km entfernte Tuzla ausweichen.
Besonders sei darauf hingewiesen, dass Kinder, die im oder
nach dem Bosnienkrieg geboren wurden, nie eine qualitativ hochwertige
medizinische Betreuung erhalten haben. Eine von Rotary in Zusammenarbeit mit den
lokalen Behörden und den vor Ort tätigen NGOs durchgeführte Erhebung hat zB
ergeben, dass etwa 2.000 Kinder schwerbehindert sind und einer einschlägigen
Behandlung bedürften; ca 50% dieser Kinder sind Kriegsbzw Minenopfer. Außerdem
ist derzeit ein alarmierendes Ansteigen von Tuberkulose-Fällen unter den Kindern
und Jugendlichen im Bezirk Srebrenica festzustellen; dingender Handlungsbedarf
ist gegeben.
Eine Besserung dieser Situation ist nicht in Sicht, da die
Republika Srpska wegen der bosniakischen Bevölkerungsmehrheit in Srebrenica
keine Investitionen vornimmt, die Föderation Bosnien und Herzegowina sich
ihrerseits territorial nicht für zuständig erachtet.
Die Projektziele
Geplant sind eine bauliche Renovierung und Adaptierung des
derzeitigen Quartiers (Sanierung der Sanitäranlagen, Austausch von Türen und
Fenstern etc) und eine medizinische Ausstattung dieser Station (Anschaffung
medizinischer Geräte) – das Rotarian Medical Center Srebrencia (RMCS)
Zudem ist die Einrichtung von zwei medizinischen Ambulanzen im
Bezirk Srebrenica beabsichtigt, die jeweils mit einer Krankenschwester oder
einem Sanitäter zu besetzen wären. Außerdem soll mindestens einmal in der Woche
zu einer festgesetzten Zeit ein Arzt in die Ambulanz kommen. Weiters ist im
Rahmen des Projekts eine Hausbetreuung für nicht mobile Patienten geplant, die
von den Krankenschwestern bzw Sanitätern dieser beiden Ambulanzen mit übernommen
werden könnte.
Medizinische Basisversorgung
Hauptaufgabe des RMCS ist die Wiederherstellung des regionalen
medizinischen Netzwerks und die Sicherstellung der medizinischen Versorgung in
dieser Region. Die Versorgung soll dabei in einem 3-Stufen-Modell erfolgen:
Für die in den Dörfern lebenden Bewohner sind die
medizinischen Ambulanzen die ersten Anlaufstellen. Gleichzeitig sollen mittels
dieser Ambulanzen eine Vorsorgeberatung, Schwangerschaftsbetreuung,
Rehabilitation etc möglich sein.
Patienten, die in der Ambulanz nicht versorgt werden können,
sollen in das RMCS gebracht werden. Daneben ist das RMCS erste Anlaufstelle für
die Bewohner der Stadt Srebrenica.
Jene Patienten, denen man im RMCS mangels Ausstattung nicht
helfen kann, sollen in die Universitätsklinik von Tuzla transferiert werden.
Betreuung von Schwangeren und Neugeborenen
Neben der allgemeinen medizinischen Versorgung der im Bezirk
Srebrenica lebenden Bevölkerung werden durch das RMCS und die beiden
angeschlossenen Ambulanzen auch schwerpunktmäßig eine (bessere) medizinische
Betreuung von Schwangeren und damit eine Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit
möglich.
Versorgung der Kriegs- und Minenopfer
Ein besonderer Schwerpunkt des Programms ist die medizinische
Versorgung von Kriegs-und Minenopfern. Vielen Menschen, die durch die
Kriegsereignisse direkt oder indirekt geschädigt wurden, könnte durch
Operationen geholfen werden. Ein von Rotary initiierter Besuch des renommierten
Orthopäden Prof. Salzer in der Universitätsklinik Tuzla hat gezeigt, dass bei
Realisierung des Projekts die Universitätsklinik Tuzla zum therapeutischen
Zentrum Bosniens ausgebaut werden könnte. Mit den jeweils spezialisierten
Chirurgen Prof. Bergsland (Norwegen), Prof. Wilk (Frankreich), Prof. Kahn (USA)
und Prof. Salzer (Österreich), die sich alle kostenlos in den Dienst der guten
Sache stellen, könnte bei der Therapierung Schwer-und Schwerstbehinderter ein
wichtiger Fortschritt erzielt werden. Orthopädische Operationen in der
Universitätsklinik Tuzla sind aber nur dann sinnvoll, wenn eine anschließende
Rehabilitation in der Region Srebrenica sichergestellt werden kann. Durch das
RMCS, die ihm angegliederten Ambulanzen und die mobilen Schwestern wären die
notwendigen Rahmenbedingungen hierfür gegeben.
Die Projektinhalte
Gesamtprojekt
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Renovierung des als RMCS vorgesehenen Gebäudes und Anschaffung der am dringendsten erforderlichen Einrichtungen |
€ 100,000.- |
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Errichtung von zwei Ambulanzen in der max. Entfernung von 40-50 km zum RMCS (je € 30,000.-) |
€ 30,000. |
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Bauprojektierung für RMCS und Ambulanzen, begleitende Kontrolle, administrative Vorbereitungen (Genehmigungen und Abgaben) |
€ 15,000.- |
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Personalkosten für zwei Jahre |
€ 40,000.- |
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Hausbetreuung der immobilen Patienten für zwei Jahre |
€ 40,000.- |
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Projektbedingte Erweiterung der Kinderabteilung in der Universitätsklinik Tuzla (Kinderchirurgie, Kinderorthopädie, Ophthalmologie, Neurologie und Intensivstation) |
€ 60,000.- |
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Fahrzeuge für Kindertransport (insb. im Rahmen der Rehabilitation) Anschaffung € 10,000.-/ Betriebskosten für zwei Jahre: € 5,000.- |
€ 15,000.- |
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Gesamt: |
€ 330,000.- |
Procedere
Das RMCS-Projekt ist ein Gemeinschaftsprojekt; alle interessierten Rotary Clubs sind zur Teilnahme eingeladen! Das Gesamtprojekt wird in Teilprojekte aufgesplittet; vorgesehen sind drei Projekttypen:
Projekttyp 1: Ein Club übernimmt ein Teilprojekt, für dessen Durchführung er
alleine antwortlich ist.
Projekttyp 2: Mehrere Clubs übernehmen gemeinsam ein Teilprojekt, für dessen Durchführung sie antwortlich sind.
Projekttyp 3: Jene Clubs, die sich finanziell an der Aktion
beteiligen, nicht aber für die Umsetzung eines eigenen Teilprojekts
verantwortlich sein wollen, zahlen in einen gemeinsamen Topf ein. Aus diesem
Projekttyp 3 heraus werden nicht übernommene Teilprojekte finanziert.
Eine entsprechende Mitgestaltung der sich beteiligenden Clubs
bei der Segmentierung des Gesamtprojekts ist geplant. Die Gesamtkoordination
aller Teilprojekte und die Betreuung des Projekttyps 3 erfolgen durch einen
Club in Zusammenarbeit mit dem Distrikts-beauftragten für Bosnien.
Das Projekt wird in Srebrenica von den lokalen Behörden, den
regionalen Rotary Clubs Tuzla und Srebrenica und dem
Rotaract Club Tuzla
unterstützt.
Das Projekt wird von Rotary Clubs in Kroatien und Slowenien,
möglicherweise auch vom RC Belgrad mitgetragen. Eine Beteiligung haben auch
schon Clubs in Deutschland und Norwegen sowie ein Club aus den USA in Aussicht
gestellt. Die Einbeziehung niederländischer Clubs in das gegenständliche Projekt
ist in Planung.
Mediale Begleitung
Das bosnische Fernsehen würde dieses Projekt von Beginn an bis
hin zur Eröffnung des RMCS begleiten und einen 20-minütigen Dokumentarfilm
gestalten. Gespräche mit dem ORF über eine Zusammenarbeit mit dem bosnischen
Fernsehen sind derzeit im Gang.
Die Auswirkungen des Projekts
Die humanitäre Seite dieses Projekts bedarf keiner
Darstellung. Es geht um die medizinische Versorgung der Bevölkerung – seien es
nun Bosniaken oder Serben; beide Bevölkerungsgruppen sind von medizinischen
Unterversorgung betroffen. Es geht vor allem auch um Kinder, deren
gesundheitliche Versorgung sichergestellt werden muss; um schwangere Frauen, die
man während der Schwangerschaft medizinisch begleiten sollte; um Minenopfer,
denen man eine Chance für ihr weiteres Leben eröffnen kann!
Als positiver Nebeneffekt im Sinne einer Hilfe zur Selbsthilfe
wäre die Schaffung von Arbeitsplätzen zu nennen – sowohl während der
Projektabwicklung als auch nach Abschluss dieser Maßnahmen. So zählt etwa der Rotaract Tuzla einige Medizinstudenten zu seinen Mitgliedern, die durch die
Schaffung entsprechender Strukturen Arbeitsplätze finden könnten. Im Rahmen
dieses Projekts könnten auch junge Menschen aus der Region zu Krankenschwestern
bzw Krankenpflegern, Sanitäterinnen und Sanitätern ausgebildet und medizinisches
Hilfspersonal angelernt werden. Diese Ausbildung von Jugendlichen aus dem Bezirk
Srebrenica und die Arbeitsplatzschaffung würden auch Beiträge zur Stabilisierung
dieser Region sein.





